Wenn Sie eine sauber gemasterte Jazzaufnahme von 1962 mit einem Pop-Album von 2010 vergleichen, wird die neuere Platte über dieselben Lautsprecher bei gleicher Lautstärkeeinstellung wahrscheinlich lauter klingen. Das liegt nicht daran, dass der Mix von 2010 grundsätzlich lauter ist. Der Grund ist, dass beim Mastering der Dynamikumfang weitgehend zusammengedrückt wurde - die leisen Stellen angehoben, die lauten Stellen abgesenkt, alles in Richtung Obergrenze geschoben.
Das ist die Loudness-War. Irgendwann in den Neunzigern begannen Mastering-Ingenieure, digitale Limiter sehr aggressiv einzusetzen, weil lautere Titel im Radio und später in iTunes-Vorschauen mehr Aufmerksamkeit bekamen. Ein Album, das subjektiv lauter wirkte als das vorherige, erschien beim beiläufigen Hören durchsetzungsfähiger. Also musste das nächste noch lauter werden. Dieser Wettlauf erreichte um 2008 seinen Höhepunkt, mit Produktionen, bei denen jeder Track im Grunde ein Ziegelstein ist - eine oben abgeflachte Wellenform ohne verbleibenden Crest-Faktor.
Die Folgen zeigen sich beim genauen Hören. Becken wirken weniger präsent, weil die Transienten, die ihnen Luftigkeit geben, begrenzt wurden. Schlagzeug verliert an Punch, weil der Anschlag in Richtung Ausklang zusammengedrückt wurde. Gesang liegt scheinbar auf allem, weil dynamisch nichts mehr darunter liegt. Die Musik ist zu einer gleichförmig lauten Wand geglättet worden. Im Autoradio bei Autobahntempo kann das immer noch ordentlich klingen. Über gute Kopfhörer in einem ruhigen Raum wirkt es anstrengend.
Ältere Aufnahmen wirken oft lebendiger, weil ihre Dynamik noch erhalten ist. Eine Kickdrum zieht den Rest des Mixes für einen Moment tatsächlich nach unten. Eine leise Passage darf leise bleiben. Dabei geht es nicht um Analog-gegen-Digital oder um Vinyl-Nostalgie. Es geht darum, dass die Pegelunterschiede größer sind.
Die moderne Antwort auf der Wiedergabeseite heißt Loudness-Normalisierung. Statt dass Master gegeneinander antreten, misst der Player die wahrgenommene Lautheit jedes Tracks, typischerweise in LUFS, und passt den Wiedergabepegel so an, dass alles auf einem ähnlichen Niveau liegt, ohne das Signal selbst anzutasten. ReplayGain macht das über gespeicherte Metadaten; LUFS-basierte Systeme messen direkt aus dem Audiomaterial. Zenteek verwendet intern einen LUFS-basierten Normalizer, sodass eine überkomprimierte moderne Single und eine dynamische alte Jazzaufnahme in einer Playlist nebeneinander stehen können, ohne dass eine davon Ihre Ohren belastet.