Warum ich über eine Einstellung spreche, die kaum eine Rolle spielt
Für mich zählt Ehrlichkeit. Deshalb möchte ich beim Reconstruction Filter klar sein: Bei Hi-Res-Wiedergabe ist er in der Regel nahezu irrelevant. Das ist weder ein Fehler noch ein Geheimnis - es ist schlicht die Folge der Mathematik, wenn die Abtastrate sehr hoch ist.
Was der Filter tatsächlich tut
Der Reconstruction Filter ist ein 256-Tap Windowed-Sinc-FIR-Filter mit einer Grenzfrequenz, die sich an der Quell-Abtastrate orientiert. Bei 44,1 kHz liegt er noch dicht an der Obergrenze des Hörbereichs, also genau dort, wo das Filterverhalten noch hörbar relevant sein kann. Bei 96 kHz oder 192 kHz verschiebt sich der gesamte Übergangsbereich jedoch weit über das menschliche Hörvermögen hinaus.
Darum werden die verschiedenen Filtermodi - Sharp Linear Phase, Slow Linear Phase, Blackman-Harris, Gaussian, Kaiser - mit Hi-Res-Material weitgehend akademisch. Ja, sie unterscheiden sich in Flankensteilheit und Pre-/Post-Ringing. Nein, das bedeutet nicht, dass sie den Klang in irgendeiner praktischen Weise verändern, wenn die Grenzfrequenz bei einer 192-kHz-Datei bei 86 kHz liegt.

Warum das Argument mit dem DAC in die falsche Richtung geht
Ich lese immer wieder die Behauptung, der DAC regle das ohnehin schon alles. So funktioniert das nicht. Der interne Rekonstruktionsfilter eines DAC hebt einen digitalen Tiefpass davor nicht auf. Beide arbeiten hintereinander, und ihre Übertragungsfunktionen multiplizieren sich.
Genau deshalb versuchen Software-Upsampler überhaupt, den DAC-Filter aus dem kritischen Bereich zu schieben. Sie versorgen den DAC mit einer deutlich höheren Abtastrate, sodass der eigene Filter des DAC weniger relevant wird, während der Software-Filter die eigentliche Arbeit näher an der ursprünglichen Nyquist-Grenze übernimmt.
Zenteek führt hier kein Upsampling durch. Es folgt einfach der Abtastrate der Datei. Wenn Sie einen 192-kHz-Track abspielen, wandert der Filter mit. Mehr nicht.
| Abtastrate | Grenzfrequenz | Im Spektrum |
|---|---|---|
| 44,1 kHz | ~19,8 kHz | Oberer Rand des Hörbereichs - relevant |
| 96 kHz | ~43,2 kHz | Unhörbar - nicht relevant |
| 192 kHz | ~86,4 kHz | Unhörbar - nicht relevant |
Der eine kleine praktische Vorteil bei Hi-Res
Einen praktischen Grund gibt es trotzdem, ihn beizubehalten. Ab 176 kHz können die Harmonischen-Prozessoren - Exciter, Vitalizer und Saturation - ohne zusätzliches Oversampling arbeiten, weil bereits genügend Ultraschall-Headroom vorhanden ist. Dadurch kann ein Teil der erzeugten Energie bis an das obere Ende des Spektrums reichen.
Der Reconstruction Filter begrenzt die höchsten Ultraschallanteile, bevor sie den DAC erreichen. Das kann die Wahrscheinlichkeit unschöner Intermodulation in nachfolgender Analogtechnik leicht senken. Das ist eine technische Schutzmaßnahme, kein geheimer Klangregler und ganz sicher kein magischer Veredelungsknopf.
Und sobald Aliasing bereits zurück in den hörbaren Bereich gefaltet wurde, kann kein nachgeschalteter Filter das rückgängig machen. Weder meiner, noch der des DAC, noch irgendein anderer.
Was Sie daraus mitnehmen sollen
Wenn Sie überwiegend Material mit 44,1 kHz hören, ist die Filterwahl tatsächlich relevant. Wenn Sie vor allem Hi-Res-Dateien hören, können Sie den Reconstruction Filter als nahezu unhörbare technische Absicherung behandeln und ihn einfach aktiviert lassen.
Ich hätte das auch als "Wärme" oder "Musikalität" verkaufen können - habe ich aber nicht. Die Wahrheit ist unspektakulärer und nützlicher: Bei Hi-Res bewirkt der Reconstruction Filter klanglich kaum etwas, und genau das ist der Punkt. Er ist im Kern schützend, nicht additiv.